DGKM & Katastrophenmedizin: Mehr als Notfallmedizin

Katastrophen sind unplanbar. Doch brauchen sie – wenn sie sich ereignen – sofortige Bewältigungsstrategien. Ob durch Flut, Hitzewellen, Klimawandel, Erdbeben, Terror, Krieg oder Verseuchungen: Viele Menschen und häufig auch die Infrastruktur sind betroffen.

Es muss gesichtet, priorisiert, gerettet werden, stets mit dem Blick, schnellstmöglich wieder eine weitestgehend optimale individual-notfallmedizinische Versorgung zu erreichen.

Wir, die Mitglieder der DGKM, widmen uns schon heute der Entwicklung interdisziplinärer Bewältigungsstrategien. Expertinnen und Experten verschiedener Disziplinen engagieren sich in unserer Fachgesellschaft vorausschauend, kompetent und vielfältig für die Bewältigung im Katastrophenfall – damit mit unzähligen Betroffenen schnell gehandelt werden kann.

Unser Auftrag:

Das Unplanbare für den Ernstfall planbar machen.

Als interprofessionelle Fachgesellschaft denken & handeln wir unserer Zeit voraus, damit im Katastrophenfall interdisziplinär schnell gehandelt werden kann.

Wenn Sie aktiv an der Weiterentwicklung der Katastrophenhilfe mitwirken möchten, sich weiterbilden möchten oder sich im Rahmen Ihres Studiums für Expertise in diesem Fachgebiet interessieren, sprechen Sie uns an.

Hochkarätige Expertise – seit der Gründung bis heute verbinden wir Expertise höchster Güte in der Katastrophenbewältgung.

Starke Werte   – wir handeln nach den Grundsätzen der humanitären Hilfe: menschlich, neutral, unparteilich, unabhängig.

Interdisziplinäres Team – wir fördern den interprofessionellen Dialog und Lösungen rund um Katastrophenmedizin und Katastrophenmanagement.

Internationale Zusammenarbeit – als wissenschaftliche Fachgesellschaft pflegen wir nationale und internationale Kooperationen und Partnerschaften.

15. #disastertalk März 2025

MANV-Tag

Kurs „Organisation in der Notfallaufnahme“

Am 15.03.2025 veranstaltete die Sächsische Landesärztekammer im Zusammenwirken mit der Deutschen Gesellschaft für Katastrophenmedizin (DGKM) e.V. und sächsischen Hilfsorganisationen eine Großschadenübung für Ärzte in Notaufnahmen im Hause der Landesärztekammer. Die Übung wurde als Praxisteil im thematisch auf die Organisation von Notaufnahmen fokussierten und dem BÄK-Curriculum „Organisation in der Notaufnahme“ entsprechenden 80 UE-Kurs konzipiert und richtete sich vorrangig an Ärzte, die neben der fächerübergreifenden medizinisch-fachlichen Versorgung insbesondere auch für organisatorische und ökonomische Prozesse einer interdisziplinären Notaufnahme Verantwortung übernehmen müssen. Ziel dieses Kurses war es daher, Ärzte insbesondere im Management der Notaufnahme zu unterstützen, u.a. auch die Herausforderungen ärztlichen und nichtärztlichen Handelns in Sondersituationen wie Massenanfall von Verletzten (MANV) / Erkrankten oder Katastrophenbewältigung in einem praktischen Fallseminar zu erleben und zu trainieren.

 

Nach einer ausführlichen theoretischen Einweisung zur präklinischen (Vorsichtung) und klinischen Sichtung sowie der Organisation und Umgestaltung der Notaufnahmeprozesse in einer Sonderlage begannen praktischen Übungen. Da präklinische orientierte Übungsszenarien meist vor der Tür der Notaufnahme bzw. nach der Sichtung dort enden, sollten bei diesem Szenario neben der Sichtung in Massensichtungskategorien der Wechsel von Individual- zu Massenmedizin, organisatorische Anpassungen und taktische Medizin in einer schon im Vorfeld gefüllten und zur weiteren Normalversorgung offenen Notaufnahme trainiert werden. In der Übungsnotaufnahme wurden verschiedene Sichtungs- und Behandlungspunkte etabliert. Die Lehrgangsteilnehmer bildeten Teams und erhielten dabei in mehreren Durchgängen unterschiedliche Aufgaben (etwa als sichtender bzw. versorgender Arzt, als Pflege- oder Dokumentationskraft oder auch als Beobachter). Die sichtenden/versorgenden Ärzte trugen als Teamchefs sowohl die fachliche und organisatorische Verantwortung für ihren Bereich, als auch für den effektiven Einsatz ihrer Teamkollegen.

Über zwei Sichtungstrichter, jeweils betreut von Koordinatoren der DGKM, wurden pro 20minütigem Durchgang etwa 30 mit den Methoden der RUD* hergerichtete und zu ihrem Verletzungsmuster/Verhalten eingewiesene Verletztendarsteller auf Fahrtragen der ärztlichen Sichtung zugeführt. Herausforderungen bestanden dabei für die Sichtungsteams in den nur beschränkt verfügbaren Informationen zum jeweiligen „Fall“, den eingeschränkten diagnostischen Möglichkeiten, dem katastrophenmedizinischen Verfahren selbst und insbesondere auch dem Zwang effizientesten Handelns unter (im Verlauf der Durchgänge noch forcierter) Knappheit der Zeit. Es zeigte sich, dass oftmals gerade die Koordinierung des Teams mit  effizientem Handeln unter Zeitknappheit die größte Herausforderung der Übung darstellte. Die Verletztendarsteller überzeugten in ihren Rollen durch ihr beinahe professionelles und sehr realitätsnahes Herangehen brillant.

Zielstellung der Eingangssichtung war es, die ggf. vorhandenen Vorsichtungsergebnisse zu prüfen und anhand der schnell erhobenen eigenen Sichtungsergebnisse zu aktualisieren oder Patienten erstmals nach Massensichtungskategorien zu triagieren, um die Patienten danach zügig den jeweiligen klinischen Behandlungspunkten (rot, gelb, grün) zuzuführen – unter Beachtung eventueller zeitkritischer lebenserhaltender Maßnahmen.

An den ärztlich betreuten Behandlungspunkten erfolgten dann, neben Priorisierung im jeweiligen Behandlungsbereich, die simulierten Sofortmaßnahmen, realisiert durch weitere übende Teams. Hier wurde deutlich, wie mit begrenzten personellen und materiellen Ressourcen unter Zeitdruck umgegangen werden muss. Die Behandlungspunkte waren nach den Sichtungskategorien getrennt. Im Bereich der „grünen“ Patienten musste ein Lehrgangsteilnehmer auch die Funktion der PSNV einnehmen, um die Teilnehmer auch für dieses Gebiet zu sensibilisieren.

Am Ende jeden Durchgangs erfolgte ein kurzes Feedback der Teams mit den Stationsbetreuern/Koordinatoren und danach der Wechsel zur nächsten Aufgabe/Station. Zum Abschluss der Übungen fanden sich alle Teilnehmer zu einer gemeinsamen Auswertung zusammen. Dabei zeigte sich zunächst (nicht unerwartet) – effektives Handeln in Stresssituationen wirkt physisch und psychisch ganz erheblich erschöpfend. Andererseits konnten wertvolle praktische Erfahrungen als Handelnde im und mit dem jeweiligen Sichtungsteam gesammelt werden – theoretisch sonst nur schwer vermittelbar.

Diese Erfahrungen vermögen Handlungssicherheit zu entwickeln und zugleich auch Erkenntnisse, auf welche Weise Strukturprozesse in MANV-Situationen in der eigenen Notaufnahme effizient verlaufen könnten – ein wesentliches Anliegen des Übungstages.

Wir danken den Verletztendarstellern und Rettungs- bzw. Katastrophenschutzkräften der Landesverbände von MHD, JUH, DRK und ASB für ihren professionellen und engagierten Einsatz. Sie haben wesentlich zum höchst erfolgreichen Ergebnis der Übung beigetragen. Wir hoffen, dass wir den Praxisteil des nächsten Kurses im April 2027 wieder gemeinsam gestalten dürfen.

*RUD: Realistische Unfalldarstellung

 

Dr. med. Heike Höger-Schmidt und Thomas Lorenz (Wissenschaftliche Leitung des Kurses „Organisation in der Notfallaufnahme“ der Sächsischen Landesärztekammer)

Jens Schiffner (Sprecher DGKM AG Mitteldeutschland und ÄLRD Landkreis Görlitz)

Albrecht Scheuermann (Mitglied des Präsidiums DGKM e.V., Fachberater-Bevölkerungsschutz ASB- Landesverband Sachsen e.V.)

Florian Wiehring (DGKM e.V., Referent Katastrophenschutz/Sanitätsdienst, Malteser Landes- und Diözesangeschäftsstelle Dresden-Meißen & Görlitz)

 

BBK-Forschungskongress vom 05.-07.02.2025 in Bonn

Nächste Woche geht es los – und auch wir sind dabei!

Falls Sie kein Ticket mehr erhalten haben – kein Problem: Wir laden Sie zu unserem hybriden mitgliedertalk am Freitag, den 07. Februar 2025 von 11-12:30 Uhr im Rahmen des BBK-Fachkongresses „Forschung für den Bevölkerungsschutz“ (vom 05.-07.02.2025) ein.
Vor Ort: Kleiner Saal, World Conference Center Bonn (WCCB)
Virtuell per Anmeldlink

Das Programm ist wie folgt geplant:
11:00 Uhr Begrüßung und Bericht des Präsidenten
Dr. Andreas Follmann, Präsident der DGKM

11:20 Uhr Keynote
„Schnittstellen und Synergien: Katastrophenmedizin als Teil des
gesundheitlichen Bevölkerungsschutzes“
Prof. Peter Bradl, Vizepräsident der DGKM

11:40 Uhr Aktuelle Forschungsprojekte unter DGKM-Beteiligung
11:40 Uhr BMBF-Projekt KABINE
Tobias Martin, Uniklinik RWTH Aachen

11:47 Uhr Projekt KatApp
Dr. Robert Wunderlich, UK Tübingen

12:54 Uhr BMBF-Projekt VitalKITE
Anna Müller, Uniklinik RWTH Aachen

12:01 Uhr LIFE Triage
Dr. Robert Wunderlich, UK Tübingen

12:08 Uhr Gemeinsame Diskussion
„Chancen und Risiken: Innovationen in der Katastrophenmedizin

12:30 Uhr Ende

Die Veranstaltung ist offen für Interessierte. Bei Interesse an einer Online-Teilnahme melden Sie sich bitte per Mail an generalsekretariat@dgkm.org an

Unsere Mission

Katastrophen sind unvorhersehbar – doch ihre Bewältigung darf nicht unvorbereitet sein. Als Deutsche Gesellschaft für Katastrophenmedizin (DGKM) ist es unsere Mission, die Strukturen und Strategien für medizinische Notfallversorgung im Katastrophenfall nachhaltig zu verbessern. Dabei denken wir interdisziplinär, handeln interprofessionell und vernetzen uns gezielt mit allen relevanten Akteuren im Bevölkerungsschutz – national wie international.

Unsere Fachgesellschaft entwickelt zukunftsorientierte Konzepte, die helfen, auch unter extremen Bedingungen rasch eine effektive und menschenwürdige Versorgung sicherzustellen. Ob bei Flut, Hitzewellen, Krieg, Terror, Pandemien oder Umweltkatastrophen: Wir engagieren uns mit Weitblick und Fachwissen, um Sichtung, Priorisierung und Rettung schnellstmöglich zu ermöglichen – mit dem Ziel, individuelle notfallmedizinische Versorgung wiederherzustellen.

Dazu arbeiten wir eng mit Institutionen wie dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe sowie mit zahlreichen humanitären Organisationen zusammen. Unsere Expertise fließt beratend in Praxis, Lehre und Forschung ein – für eine resiliente Gesellschaft in Zeiten wachsender globaler Herausforderungen.

Unser ThinkTank

Die Deutsche Gesellschaft für Katastrophenmedizin (DGKM) ist der interdisziplinäre Think Tank für die Weiterentwicklung von Katastrophenmedizin, -management und -bewältigung. Als interprofessionelle Instanz bündeln wir Expertise aus Medizin, Technik, Logistik, Psychosozialer Versorgung, öffentlichem Gesundheitswesen und weiteren relevanten Bereichen.

Unser Ziel: vorausschauende Strategien entwickeln, um im Katastrophenfall – ob Naturereignis, technisches Versagen oder menschliches Einwirken – effizient und strukturiert handeln zu können. Wir befassen uns mit der Herausforderung, bei Großschadenslagen mit tausenden Betroffenen verschiedenster Krankheits- oder Verletzungsmuster eine koordinierte Versorgung sicherzustellen. Dabei setzen wir auf wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse und praxisnahe Formate: vom DGKM-Handbuch über innovative Sichtungsprojekte (wie PRIOR und BiA) bis hin zu CBRN-Expertisen, Konsensuskonferenzen und sicherheitsrelevanter Forschung.

Unser Think Tank steht für Austausch, Innovation und Kompetenz – weil im Ernstfall jede Sekunde zählt.